Interkulturelle WG

Vielfalt ist besser als Einfalt - denken wir. Wir sind überzeugt, dass unsere Gesellschaft von einem offenen, vorurteilsfreien Umgang mit anderen Kulturen profitiert.

Daher fördern wir die Unterbringung verschiedener Kulturen unter einem Dach, indem wir Hürden herabsetzen, die zum Beispiel durch Sprache, Bürokratie oder Unsicherheiten auf beiden Seiten entstehen. Das Projekt Interkulturelle WG fördert vor allem die Vermittlung von Geflüchteten, da hier eine Vielzahl an Hürden die Annäherung zwischen Einheimischen und Geflüchteten besonders erschweren.

Die Idee

Nach ihrer Ankunft in Deutschland verbringen Geflohene die erste Zeit in Sammelunterkünften der jeweiligen Bundesländer. Anschließend werden sie nach einem Schlüssel auf die einzelnen Kommunen aufgeteilt. Dort werden ihnen Mietwohnungen oder Wohnheimplätze zugewiesen – teilweise werden sogar Hotelzimmer angemietet, um die Menschen unterzubringen.
Durch diese zentralisierte Form des Wohnens wird es den Geflüchteten häufig erschwert, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Unser Projekt setzt an dieser Stelle an. Wir wollen einerseits Wohngemeinschaften dazu ermuntern, dass sie Geflohene zu WG-Castings einladen. Auf der anderen Seite informieren wir Geflohene darüber, wie das Leben in einer WG in Deutschland üblicherweise geregelt ist (beispielsweise durch eine Einladung in eine hiesige WG) und wie die Mietverhältnisse aussehen können.

Dazu vermitteln wir entweder direkt ein Kennenlernen zwischen der WG und dem Geflohenen oder helfen andernfalls dem Interessierten ein Inserat aufzugeben und es über Internetportale, Studierendenverteiler und Aushänge publik zu machen.

Als Vorteile eines gemeinsamen Zusammenlebens sehen wir die Möglichkeit für die*den Geflohenen, in Deutschland anzukommen, Land und Menschen kennenzulernen und direkt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sowie durch Kontakt zu Muttersprachlern die Sprache zu lernen. Oft können auch schon kleine Hilfestellungen, wie die Übersetzung von Behördenpost, den Geflohenen viel Unsicherheit nehmen, die bei ihrer Ankunft in einem fremden Land auftritt.

Geflohene waren oftmals monatelang auf der Flucht und haben viel Schreckliches erlebt, aber auch viel Erfahrung gesammelt hat und berichten davon. Sie lernen nicht nur eure Kultur kennen, auch ihr habt die Chance etwas über seine zu lernen und euren Horizont zu erweitern.

Our vision is to enable refugees that struggle to become part of public life due to their housing conditions (communal accommodation, hostels) to get to know the country, the culture by living right among locals in shared accommodation. We therefore invite WGs (= flats with several individual occupants sharing a household) to open up to refugees to form a cross-cultural WG. We are determined that both the locals and the refugees benefit from living together and getting to know each other.

Wen wir vermitteln

Ob in den WGs Studierende, Familien oder Berufstätige wohnen spielt keine Rolle. Meistens leben dort Menschen zwischen ca. 18 und 30 Jahren, die meisten Bewohner*Innen sind alleinstehend. Daher vermitteln wir generell Personen dieser Altersgruppe. Das sind aber alles weiche Kriterien, von denen wir bei Bedarf auch abweichen. Wie bei jedem WG-Casting zählt natürlich schlussendlich die Sympathie füreinander.

Die Personen, die wohnungssuchend sind, haben unterschiedliche Aufenthaltstitel. Gewöhnlich haben sie ein befristetes Aufenthaltsrecht und sind nicht akut von einer Abschiebung bedroht. Durch ihren Anspruch auf Unterbringung während des Asylverfahrens wird die Miete für ein WG-Zimmer vom Sozialamt übernommen.

In der Regel sprechen die WG-Anwärter*innen schon recht gutes Deutsch.

It doesn’t matter whether the WGs consist of students, families, or working persons. Usually young people between 18 and 30 live in WGs which is why we concentrate on refugees in this age group, although this is not a knock-out criterion.

Persons looking for flats have varying residence permits but usually there are not at imminent risk of getting deported. They have a right of housing during the asylum process which is why social security will pay the rent for rooms that are rented out to them. Mostly, they speak a decent amount of German.

Mitbewohner gesucht?

Solltest du ein Zimmer frei haben und Lust auf eine interkulturelle WG haben, um damit einen Beitrag für eine Willkommenskultur für junge Geflüchtete hier in Lübeck zu leisten, melde dich einfach bei unserem Team, auch wenn du Fragen hast, beispielsweisen zu Rechtlichem oder an bisherigen Erfahrungen interessiert bist.

If you have a spare room to rent out to a refugee, please contact our team. We are happy to help with any legal questions, concerns or previous experiences.

WG gesucht?

Momentan sind wir leider nicht in der Lage, direkt in WGs zu vermitteln. Wenn du aber Lust hast, in eine WG zu ziehen, melde dich einfach bei unserem Team oder der Gemeindediakonie. Wir setzen dich direkt auf unsere Liste, und versuchen damit bei Anbietenden zu werden; außerdem versuchen gleichzeitig mit dir gemeinsam auf dem freien Markt ein Zimmer zu finden und helfen beim Recherchieren, Anschreiben und Besichtigen.

Unfortunately, we are currently unable to offer you a place in shared accommodation due to a shortage of spare rooms that have been offered. However, if you feel like moving into a shared household to live among other young people, you should still contact our team or the Gemeindediakonie staff in order to be put on our list. We will then try to promote you so that you will be considered by WGs with upcoming vacancies. Also, we offer one-to-one support to assist you with finding and viewing WGs on the free market. Don’t hesitate to contact us!

FAQ

F: Wie zahlt der oder die Geflüchtete seine Miete?
A: Während die Anerkennung der Asylbewerberin oder des Asylbewerbers läuft, kann die entsprechende Person nicht arbeiten gehen. Für diesen Zeitraum kommt das Sozialamt für die Miete auf. Nach Abschluss des Asylverfahrens kann der Geflüchtete entweder das Geld für die Miete selbst verdienen oder aber bei der Agentur für Arbeit ALG II beantragen. Er unterliegt dann übrigens den gleichen Pflichten wie ein deutscher Staatsbürger.

F: Was mache ich, wenn ich mich mit der oder dem vorgeschlagenen Geflüchteten nicht verstehe?
A: Unser Wunschziel für eine Interkulturelle WG ist ein Mitbewohner-Verhältnis auf Augenhöhe. Wenn eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens, nämlich gegenseitige Sympathie, fehlt, kannst Du Dich unabhängig von Herkunft, von Sprache und fernab eines Mitleids-Bonus gegen die Kandidatin oder den Kandidaten entscheiden. Eine Absage ist keine Schande. Eine Zusage einzig und allein aus Mitleid schon eher.

F: Leider bin ich beruflich/studientechnisch sehr eingespannt. Sollte ich mich an einer Interkulturelle WG versuchen, auch wenn ich gar keine Zeit für meinen neuen Mitbewohner habe?
A: Bloß weil ein Geflüchteter in Deiner WG wohnt, besitzt Du nicht automatisch die Verpflichtung, Dich um sie oder ihn zu kümmern. Es gibt unter den Geflüchteten wie unter Einheimischen solche, die mehr und solche, die weniger Zeit in Anspruch nehmen. Solltest Du also nicht zu eingespannt sein, um überhaupt in einer WG zu leben, empfehlen wir: Probier's aus! nimm Teil an unserem Projekt und schau, ob wir Dir einen Mitbewohner oder eine Mitbewohnerin vermitteln können, bei dem beziehungsweise bei der die Chemie stimmt.

Chronik

Unser Projekt „Interkulturelle WG“ gründete sich im Mai 2014 im PAS-Referat des AStA. Zu Beginn beschäftigten sich die Referent*innen mit der Thematik Flucht und Asyl. So suchten wir den Kontakt zum Flüchtlingsforum, die uns an die Gemeindediakonie Lübeck verwiesen. Nach unsere Vorstellung weckten wir Interesse und konnten Kontakt zu verschiedenen dezentralen Unterkünften und den jeweiligen Verantwortlichen der Diakonie knüpfen. Um unser Projekt weiter zu bewerben und bekannt zu machen organisierten wir im Juni eine Infoveranstaltung mit dem FlüFo und der Gemeindediakonie, die wir in der Uni bewarben. Auf eine Einführung zum Thema Flucht und der Vorstellung unseres Projektes fand sich die erste interessierte WG, in die im September der erste Geflüchtete einzog. Über diese WG berichteten die Lübecker Nachrichten und der NDR im SH-Magazin. Die Berichten führten zu großem Medien-Echo, es folgten Anfragen der taz, RTL, Spiegel Online, Zeit Campus, Deutsche Welle, ARD (titel, thesen, temperamente), ZDF heute, sowie verschiedener Zeitungen und Radiosender.

Auch durch die Verbreitung unseres Projekts auf Facebook durch ProAsyl erreichten wir viele Menschen, die Interesse haben ein ähnliches Projekt in ihren Städten zu verwirklichen. Wir sind derzeit in Kontakt mit fast 20 verschiedenen Organisationen oder Gruppen!

Im November kam wg-gesucht.de auf uns zu und schlug eine Kooperation vor. So konnten wir ab Dezember auf ihrer Website eine Anzeige für den Raum Lübeck schalten und so eine große Reichweite generieren.

Wir freuen uns sehr über das große Interesse an unserem Projekt, stellen jedoch fest, dass die viele Pressearbeit kaum WGs auf uns aufmerksam machen konnte. Trotzdem finden wir es wichtig, einen Beitrag zur öffentlichen Debatte um Migrant*innen und Geflüchtete zu leisten. Wir hoffen, dass unser Projekt viele Menschen inspiriert, eine neue Willkommenskultur in Deutschland zu gestalten, die Geflüchtete als Mitmenschen und Bereicherung erkennt und nicht als Problemgruppe am Rande der Gesellschaft.

Zwischenzeitlich konnten wir 6 weitere Geflüchtete in Wohngemeinschaften in Lübeck vermitteln und haben uns als Partner der Gemeindediakonie in diesen Fragen etabliert.

Our project started in May 2014 when university students from the students council (AStA) started dealing with flight and asylum. In close collaboration with Gemeindediakonie Lübeck an idea to house refugees among locals was developed and an information evening was hosted at the university. Soon after a first WG offered to accommodate a refugee, he moved in last summer.

Many national TV reports, radio broadcasts and newspaper about this new idea followed and many people, keen to implement a similar project in their cities, got in touch.

Furthermore we were approached by wg-gesucht.de, an internet portal broking WGs and started a partnership to reach more people in and around Lübeck.

6 further refugees could be placed in shared accommodation since.

Unsere Partner

Bei der kommunalen Unterbringung in Lübeck werden Geflohene von der Gemeindediakonie Lübeck betreut, die sie in Wohnheime, Wohnungen oder Hotels vermittelt.

Wenn sich eine interessierte WG bei uns meldet, wenden wir uns an die Gemeindediakonie. Deren Mitarbeiter*Innen hören sich dann unter den Betreuten nach Interessenten um.

Seit 2014 besteht darüber hinaus eine Kooperation mit wg-gesucht.de. Unser Banner macht auf diesem Portal Wohngemeinschaften, die ein Zimmer anbieten, zusätzlich auf uns aufmerksam.

The housing of refugees within the Lübeck council area is operated by Gemeindediakonie who runs hostels and rents out hotel rooms or flats in the private sector. When a WG interested in accommodating refugees contacts us, we look for potential candidates from their lists and hostels. Furhtermore we cooperate with wg-gesucht.de, a well known flat-sharing platform.

Kontakt

Projekt Interkulturelle WG
AStA der Universität zu Lübeck
+49 451 3050439
interkulturellewg@asta.uni-luebeck.de

Pressespiegel